11. August 2017

2017 08 11 Lutherdenkmal Wiederaufstellung 31Der Döbelner Luther - wieder so standhaft,
wie vor 500 Jahren

Das Lutherdenkmal, ein markantes Döbelner Wahrzeichen steht wieder an seinem angestammten Platz unmittelbar neben der Nicolaikirche. Die Stadt Döbeln hatte es in den vergangenen Monaten restaurieren lassen. Am 11. August 2017 wurde die Plastik wieder auf ihren Sockel gehoben.

Der stand seit April 2017 leer. In der Zeit wurde die Lutherfigur durch das Unternehmen Ostmann und Hempel Restaurierung und Handwerk GmbH in Wilsdruff in einem Wannenbad gründlich gereinigt und starke Schmutzkrusten, die in den vergangenen Jahrzehnten entstanden sind, entfernt. Anschließend wurde die Statue mit Heißwachs „eingesalbt“.
Die Befestigungskonstruktion aus Edelstahl ist komplett erneuert worden. 

2017 08 11 Lutherdenkmal Wiederaufstellung 42Auch der Sockel wies altersbedingt starke Schäden und Verschmutzungen auf. Das Döbelner Steinmetzunternehmen Schmidt & Wiede führte die Sanierung durch. Nach einer fachgerechten Reinigung wurden einzelne Risse und Fehlstellen behandelt.
Die einzelnen Elemente wurden neu verfugt und wenn notwendig, auch neu befestigt. Die vorhandene Inschrift wurde aufgearbeitet und neu vergoldet. 

Vorbereitet und begleitet wurde die Restaurierung des Denkmals durch Fachleute vom Landesamt für Denkmalpflege und die Untere Denkmalschutzbehörde beim Landratsamt Mittelsachsen. 

Möglich wurde die Sanierung durch eine 75%ige Förderung aus Bundesmitteln aus dem Programm "Brücken in die Zukunft". Die Gesamtkosten betragen etwa
11.000 Euro. 

Am 11. November 1883, anlässlich des 400. Geburtstags Martin Luthers, pflanzte man auf den Lutherplatz, unmittelbar neben die Nicolaikirche vier Eichen. Die Eichen stammten aus den vier berühmten Lutherstädten Eisleben, Eisenach, Erfurt und Wittenberg. Damals entstand auch der Wunsch nach einem Lutherdenkmal. Auf dem Lutherplatz stehen auch heute noch vier Luthereichen. Neben ihnen befindet sich das Lutherdenkmal, das 1902 eingeweiht wurde. Das Döbelner Denkmal stellt nicht den kampfeslustigen Luther, den Gottestreiter dar, wie man ihn gewöhnt ist, sondern den Reformator, der die Kämpfe und das Ringen hinter sich hat. Siegesgewiss steht er da, den Blick nach Süden, nach Rom gerichtet.

All das interessierte die Nationalsozialisten wohl wenig, 1942 wurde der Döbelner Luther von seinem Sockel gehoben. Aus der Bronze sollten Kriegswerkzeuge hergestellt werden. 17 Jahre blieb das Denkmal verschollen. Und dann kam das Erstaunliche: Auf einem Schrottplatz in Hamburg wurde das Standbild entdeckt.

Dem Döbelner Kirchenvorstand gelang es mitten im Kalten Krieg, das Denkmal in den Arbeiter- und Bauernstaat zurückzuholen. Seit 1961 steht er nun wieder am Lutherplatz und blickt nach Rom.